Mit dem Rennrad in den Alpen Teil 2 - Anreise

Um kurz vor 5 klingelt der Wecker, kurz vor sechs bin ich in Düsseldorf um meinen Mitstreiter abzuholen und kurz nach sechs sind wir auf der Autobahn. Das Kreuz Heumar umfahren wir noch vor dem Berufsverkehr, und als wir gegen 10 Uhr eine Pause machen, sind es bereits über 30 Grad. Das Wetter ist zwar noch leicht bewölkt, aber je weiter wir Richtung Süden fahren, desto besser wird es. Kurz vor Österreich besorgen wir uns eine Vignette, die wir eigentlich nur für ein kurzes 20km Stück Autobahn brauchen. Leider kann man nur für mindestens 10 Tage kaufen und zahlt 7,90 Euro.

In Österreich ist dann die B179/Fernpassstraße gesperrt weil dort ein LKW umgekippt ist. Laut Verkehrsfunk sind beide Streifen gesperrt und die Aufräumarbeiten sollen noch über 2 Stunden dauern. Eine Umleitung gibt es nicht. Kein Wunder. In Österreich gibts auch echt nur Berge und Schluchten. Und angemalte Häuser. Wir entscheiden uns jedenfalls das Ding trotzdem zu umfahren, wenn auch etwas weitläufiger. Statt also direkt südlich Richtung Imst zu fahren, drehen wir uns nach Westen und fahren nach Elmst. Von dort geht dann das Hahntennjoch wieder Richtung Ilms. Ein serpentinenreicher, schmaler Pass auf dem sich zahlreiche Sportwagen und auch der ein oder andere Radfahrer findet. Um nicht ständig Kuppeln zu müssen bleiben wir irgendwann einfach im ersten Gang und kraxeln die Serpentinen hoch. Wir bekommen einen ersten Vorgeschmack auf das was in Prad auf uns zukommt. Der nächste gesperrte Pass in Österreich ist der Reschenpass. Hier gibt es aber eine Umleitung, die kurz durch die Schweiz und dann zurück auf die ursprüngliche Route geht.

Als wir in Prad ankommen ist es 16 Uhr. Wir checken ein und betreten unser sauberes und sehr geräumiges Zimmer. Die Räder kann man laut Rezeption im Hotel-eigenen Fahrraddepot abstellen. Da sich das Depot aber mit dem Zimmerschlüssel öffnen lässt, müssten wir die Räder dennoch abschließen. Und da ein guter Rennradfahrer sein Rad nie aus den Augen lässt, besitzt ein guter Rennradfahrer in der Regel gar kein Schloß. Stattdessen buchen wir die Tiefgarage für 2 Euro die Nacht, stellen unser Auto dort ab und legen unsere Fahrräder in den Kofferraum unter eine Plane. Definitiv sicherer.

Anschließend steigen wir ins Auto und fahren die Route ab, die wir morgen mit dem Rad in Angriff nehmen werden. Prad -> Stilfser Joch -> Umbrail Pass -> Prad. Die Straße wird schnell so steil, dass wir ähnlich wie beim Hahntennjoch einfach nur noch im ersten Gang bleiben. Aber man merkt, dass das Stilfser Joch berühmt ist. Am Straßenrand stehen Ziegenhirte und Bauern, während auf der Straße Sportwagen, Motorräder, Radfahrer und sogar Wohnmobile wie die Blöden Richtung Gipfel heizen. Nur die Radfahrer heizen eigentlich weniger und leiden vielmehr. Die Steigungen türmen sich so heftig vor uns auf, dass wir gehörigen Respekt vor dem morgigen Tag bekommen und uns ein wenig wünschen, mehr trainiert zu haben.

Oben auf dem Stilfser Joch ist dann Party angesagt. Haufenweise Stände, die Ramsch verkaufen, Cafés, Restaurants. Wir fahren direkt weiter und biegen nach kurzer Abfahrt auf den Umbrail Pass ein, der dann weiter bergab in die Schweiz führt. Hier ist es zwar deutlich schlechter ausgebaut (es gibt kaum Leitplanken und ca. 1,5km des Weges sind nicht asphaltiert), aber hier ist auch gleichzeitig weniger los. Insgesamt sehen wir vielleicht 5 Autos und einen Mountainbiker. Auf dem Stilfser Joch waren es locker 20 bis 30 mal soviel.

Zurück in Prad sehen wir, dass das Hotelrestaurant bereits um 20 Uhr zumacht. Wir laufen ein wenig rum, lassen uns von den Preisen der ansässigen Restaurants etwas abschrecken und entscheiden uns schließlich für Pizza von Pizza Point. Gegen 21 Uhr geht's ins Bett. Der Wecker ist auf 7 Uhr gestellt.

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